Beschaffung elektronischer Angriffssysteme: Bundesrat genehmigt Beitritt zum Memorandum of Understanding Knifefish
Bern, 14.10.2026 — Die Schweiz will ihre Fähigkeiten in der elektronischen Kriegführung modernisieren und beteiligt sich an einem europäischen Programm zur Beschaffung elektronischer Angriffssysteme. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 14. Oktober 2026 die Teilnahme der Schweiz am Memorandum of Understanding betreffend die Zusammenarbeit im Bereich elektromagnetischer Kampffähigkeiten für den elektronischen Angriff (MoU Knifefish) genehmigt.
Die Schweizer Armee modernisiert ihre Mittel für die elektronische Kriegführung (EKF). Dazu braucht sie Systeme, die elektromagnetische Signale erfassen, beeinflussen oder stören können.
Die Niederlande führen mit Knifefish ein Programm zur Beschaffung elektronischer Angriffssysteme. Ziel ist es, die Beschaffung solcher Systeme zu unterstützen und den Austausch mit europäischen Partnerstaaten zu erleichtern. Deutschland sowie Dänemark beteiligen sich bereits daran und Schweden beabsichtigt, sich dem Programm über eine Änderungsvereinbarung anzuschliessen. Der Bundesrat hat nun die Teilnahme der Schweiz am MoU Knifefish genehmigt. Das MoU baut auf dem Programm Sawfish auf, dem die Schweiz bereits im November 2025 beigetreten ist. Sawfish betrifft taktische Systeme für die elektronische Kriegführung (EKF).
Gemeinsame Beschaffungen stärken die Interoperabilität
Die Teilnahme stärkt die Rüstungskooperation mit europäischen Staaten und entspricht der Rüstungspolitischen Strategie des Bundesrates vom 20. Juni 2025. Diese sieht unter anderem vor, die Zusammenarbeit mit Nachbarstaaten und weiteren europäischen Partnern gezielt auszubauen. Eine gemeinsame Beschaffung bringt operative und logistische Vorteile. Material und Daten lassen sich besser aufeinander abstimmen und Testgeräte sowie Ersatzteile können gemeinsam genutzt werden. Die Schweiz kann insbesondere von Skaleneffekten und günstigeren Einkaufspreisen profitieren.
Wie bereits bei Sawfish ermöglicht es auch das MoU Knifefish der Schweiz, von Fall zu Fall zu entscheiden, an welchen Projekten sie sich beteiligen möchte. Die Neutralität ist gewährleistet. Die Schweiz kann sich jederzeit aus der Zusammenarbeit zurückziehen, wenn eines der Programmmitglieder in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden sollte.
Facetten elektronischer Kriegführung
Die EKF nutzt das elektromagnetische Spektrum (dazu gehören beispielsweise Funk, Radar oder andere elektromagnetische Signale) zur Durchführung von Einsatz- und Abwehraktionen, die darauf abzielen, dieses elektromagnetische Spektrum zu kontrollieren sowie für die eigenen Bedürfnisse zu nutzen und gleichzeitig die Nutzung durch den Gegner zu verhindern. Streitkräfte verwenden die EKF, um Informationen zu gewinnen, eigene Systeme zu «tarnen» und gegnerische Strahlungen zu stören. Die EKF umfasst drei Bereiche: «Elektronischer Angriff», «Elektronischer Schutz» und «Elektronische Unterstützung». Der Elektronische Angriff erschwert gegnerischen Kräften die Nutzung des elektromagnetischen Spektrums, der Elektronische Schutz schützt eigene Systeme vor Störungen und die Elektronische Unterstützung dient dazu, Signale zu erfassen und auszuwerten.
Die EKF ist zu einem wesentlichen Element des Kampfs der verbundenen Waffen geworden. Auf taktischer Stufe verschafft sie der Schweizer Armee einen entscheidenden operationellen Vorteil.