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MedienmitteilungVeröffentlicht am 22. April 2026

Arbeitskräftemangel: Bundesrat verabschiedet Bericht zu Ursachen und Auswirkungen

Bern, 22.04.2026 — Der Bundesrat hat den Bericht «Ursachen und Auswirkungen von Arbeitskräftemangel» am 22. April 2026 verabschiedet. Arbeitskräftemangel ist für die betroffenen Unternehmen mit Herausforderungen verbunden, setzt aber zugleich Anreize für höhere Effizienz und bessere Arbeitsbedingungen. Laufende sowie bereits in Prüfung stehende Massnahmen zielen darauf ab, die Rahmenbedingungen vor dem Hintergrund des demografischen und strukturellen Wandels zu verbessern und das Erwerbspotenzial weiter zu fördern.

Der Bericht zeigt auf, dass die Schweiz im internationalen Vergleich zu den Ländern mit der höchsten Erwerbsbeteiligung zählt. Ein wichtiger Faktor ist die weit verbreitete Teilzeitarbeit, welche unter anderem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. Während die stärkere Verbreitung von Teilzeitarbeit bei Männern in den letzten Jahren zu einem leichten Rückgang des Arbeitseinsatzes führte, nahm jener von Frauen auf Grund einer höheren Erwerbsbeteiligung und gestiegenen Teilzeitpensen zu. Die Zunahme der Erwerbsarbeit bei den Frauen fiel dabei stärker aus als der Rückgang bei den Männern, womit das Arbeitsvolumen in der Schweiz - trotz Zunahme der Teilzeiterwerbstätigkeit - gestiegen ist. Unterdurchschnittlich ist die Ausschöpfung des Erwerbspotenzials heute noch bei älteren Erwerbspersonen, wobei deren Arbeitseinsatz mit am stärksten zugenommen hat. Überdurchschnittlich gut wird das Erwerbspotenzial von höher Qualifizierten ausgeschöpft.

Konjunkturelle und strukturelle Ursachen

Arbeitskräftemangel bezeichnet eine Situation, in der die Nachfrage nach Arbeitskräften das verfügbare Angebot bei den bestehenden Löhnen und Arbeitsbedingungen übersteigt. Auf der Arbeitsangebotsseite erweist sich die demografische Alterung als zentraler Treiber von Arbeitskräftemangel. Auf der Arbeitsnachfrageseite spielt die Wirtschaftslage eine zentrale Rolle: In Phasen der Hochkonjunktur verschärft sich der Mangel, während er in wirtschaftlichen Abschwüngen wieder zurückgeht. Strukturelle Veränderungen, wie etwa Digitalisierung, Spezialisierung auf wissensintensive Dienstleistungen oder die ökologische Transformation, verstärken den Bedarf an spezifischen Qualifikationen und können Engpässe akzentuieren. Die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte dämpft in diesem Kontext den Arbeitskräftemangel.

Positive und negative Folgen

Phasen mit erhöhtem Arbeitskräftemangel gehen für Arbeitnehmende in erster Linie mit positiven Auswirkungen einher. Zum einen ist es leichter, eine neue Stelle zu finden. Zum anderen zeigt eine im Auftrag des SECO durchgeführte Studie[1] auf, dass von Arbeitskräftemangel betroffene Unternehmen etwa verstärkt in Weiterbildung investieren, flexiblere Arbeitsmodelle anbieten oder die Löhne ihrer Mitarbeitenden erhöhen.

Für die Unternehmen geht Arbeitskräftemangel mit Kosten und Risiken einher, wie zum Beispiel steigenden Personalkosten oder einer Limitierung der Produktion. Die Mehrheit, der in der externen Studie befragten Unternehmen erwartet, dass sich die Schwierigkeiten bei der Suche nach Arbeitnehmenden in den nächsten fünf Jahren weiter verschärfen werden. Relativierend ist jedoch festzuhalten, dass die Schweiz bezüglich Arbeitsmarktanspannung in den letzten Jahren eher leicht unter dem Durchschnitt der OECD-Länder lag, wozu nicht zuletzt die starke Zuwanderung von Arbeitskräften beigetragen haben dürfte.

Gezielte Massnahmen des Bundes

Der Umfang des persönlichen Arbeitseinsatzes ist grundsätzlich als individuelle Entscheidung jeder erwerbsfähigen Person zu respektieren. Wenn jedoch strukturelle Hürden oder Fehlanreize die Erwerbsbeteiligung einschränken, können politische Massnahmen angezeigt sein. In der Schweiz existieren bereits verschiedene laufende sowie zu prüfende Massnahmen, um die Rahmenbedingungen stetig zu verbessern. Zu nennen sind insbesondere innovative Impulse in der Arbeitsvermittlung, der geplante Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung sowie die Einführung der Individualbesteuerung. Darüber hinaus sieht der Bundesrat derzeit keinen Handlungsbedarf.

Der Bericht wurde in Erfüllung der Postulate 23.3380 Leo Müller und 23.4094 Paganini erstellt.


[1] Abberger, K., Jacomet, F., Marti, N., Prater, M., Siegenthaler, M., & Siegrist, S. (2026).

Arbeitskräftemangel in der Schweiz: Ursachen und Auswirkungen. Grundlagen der Wirtschaftspolitik. Bern: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO.