Doktorierende in der Schweiz: kontinuierliches Wachstum und gute berufliche Perspektiven
Bern, 28.04.2026 — Zwischen 2010 und 2024 stieg die Zahl der Doktorierenden an den Schweizer Hochschulen um 29 %. Dieser Anstieg lässt sich nahezu vollständig auf die Zunahme der Doktorierenden in den Bereichen Medizin, Technische Wissenschaften sowie Exakte und Naturwissenschaften zurückführen. Die universitären Hochschulen sind in der Lage, diesen Anstieg zu bewältigen und ihren Doktorierenden gleichzeitig gute Bedingungen für die Erstellung ihrer Dissertation zu gewährleisten. Schliesslich weisen Personen mit einem Doktorat auf dem Arbeitsmarkt im Durchschnitt eine niedrigere Arbeitslosenquote und ein höheres Einkommen auf als Personen mit einem Bachelor- oder Masterabschluss.
Im April 2025 mandatierte die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) den Schweizerischen Wissenschaftsrat (SWR) mit einer Analyse der Entwicklung der Zahl der Doktorierenden an den Schweizer Hochschulen. Als Antwort auf dieses Mandat veröffentlicht der SWR heute einen Bericht, der die Entwicklung der Zahl der Doktorierenden an den Schweizer Hochschulen zwischen 2010 und 2024 dokumentiert. Der Bericht untersucht zudem die Rahmenbedingungen für Doktorate und die Nachfrage nach Personen mit einem Doktortitel auf dem Arbeitsmarkt. Der SWR stützte seine Analyse auf Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) sowie auf Interviews mit fünf universitären Hochschulen (UH).
Anstieg dank MINT-Fächern
Die Gesamtzahl der an einer Schweizer universitären Hochschule (kantonale Universität oder ETH) immatrikulierten Doktorierenden stieg zwischen 2010 und 2024 um 29 %. Diese Entwicklung entspricht in etwa derjenigen, die bei den Studierendenzahlen auf Bachelor- und Masterstufe sowie beim Lehrkörper zu beobachten ist. Bei all diesen Personengruppen ist der Anstieg fast ausschliesslich auf die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie auf die Medizin zurückzuführen. Der Anstieg der Doktorierendenzahlen in der Schweiz liegt zwar über dem durchschnittlichen Anstieg der Doktorierendenzahlen in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer der Schweiz ähnlichen Wirtschaftsstruktur, ist jedoch mit demjenigen mehrerer anderer Mitgliedsländer vergleichbar. Die befragten Hochschulen sind in der Lage, den Anstieg der Doktorierendenzahlen sowohl in Bezug auf die Infrastruktur als auch hinsichtlich der Betreuung der Doktoranden zu bewältigen.
Der Anstieg der Zahl der Doktorierenden hat die Rahmenbedingungen für die Durchführung von Promotionsstudien nicht verschlechtert. Diese Bedingungen hängen jedoch stark von der Fachbereichsgruppe ab. Dank Massnahmen der Hochschulen zeigen sich Tendenzen zu einer Verbesserung dieser Bedingungen. Zwischen 2014 und 2022 ist der durchschnittliche Beschäftigungsgrad gestiegen und die Differenz zwischen den vertraglich vereinbarten und den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden hat sich verringert. Auch der Anteil der Doktorierenden mit Zugang zu einem strukturierten Doktoratsprogramm hat zugenommen.
Weniger Arbeitslose und höheres Einkommen bei Doktorierten
Um die Situation von Doktorierten auf dem Arbeitsmarkt zu dokumentieren, hat der SWR die Ergebnisse der Erhebung «Absolventenstudien Hochschulen (EHA)», die alle zwei Jahre vom BFS durchgeführt wird, analysiert. Die Daten beziehen sich auf Personen, die zwischen 2010 und 2022 einen Doktortitel erworben haben, und zwar ein Jahr sowie fünf Jahre nach dem Erwerb ihres Titels. Die Arbeitsmarktsituation von Personen, die zwischen 2023 und 2025 einen Doktortitel erworben haben, ist daher nicht Gegenstand des vorliegenden Berichts, ebenso wenig wie die Auswirkungen der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen, wie beispielsweise der zunehmende Einsatz von Tools auf Basis generativer künstlicher Intelligenz oder die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der geopolitischen Lage. Die im Bericht vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Erwerbslosenquote fünf Jahre nach dem Abschluss bei Personen mit Doktortitel niedriger ist als bei Personen mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. In allen drei Kategorien von Hochschulabsolventinnen und -absolventen liegt die Erwerbslosenquote unter dem Schweizer Durchschnitt. Personen mit abgeschlossenem Doktorat erzielen im Durchschnitt ein höheres Einkommen als Personen mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. Sie bekleiden fünf Jahre nach dem Abschluss zudem häufiger Führungspositionen. Schliesslich arbeitet die Mehrheit der Personen mit Doktortitel in einer Funktion, für die ein abgeschlossenes Doktorat erforderlich ist.
Wachstum der universitären Hochschulen als Spiegel erfolgreicher Investitionen in Bildung und Forschung
Insgesamt zeigen die berücksichtigten Daten, dass der Anstieg der Zahl der Doktorierenden eine Folge des Wachstums der UH und des Arbeitsmarktes ist. Infolge politischer Entscheidungen, die die Bedeutung des Bereichs Bildung, Forschung und Innovation anerkennen, sind die Investitionen in die Wissensproduktion in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. Doktorierende spielen eine zentrale Rolle für die Hochschulen: Sie tragen einen wesentlichen Teil der Forschungsarbeit und leisten wichtige Unterstützung in der Lehre. Ohne ihren Beitrag könnten weder die Qualität noch die Quantität der Forschung – und in geringerem Ausmass auch der Lehre – an den UH auf dem aktuellen Niveau gehalten werden, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz beeinträchtigen würde.
Für den SWR stellt die Ausbildung von Doktorierenden eine Investition in die Gesellschaft dar. Neben den Beiträgen, die sie während ihrer Promotion an den universitären Hochschulen leisten, arbeiten die meisten von ihnen nach dem Erwerb ihres Titels ausserhalb der akademischen Welt. Der Arbeitsmarkt profitiert somit vom Zustrom hochqualifizierter Fachkräfte, die mit wissenschaftlichen Methoden vertraut sind und einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten und letztlich zum Wohlstand der Schweiz beitragen.